Montag, 10. Juni 2019

Air2030 Teil 4 - Lockheed Martin F-35A in Payerne (VD)

Evaluation NKF für die Schweizer Luftwaffe
Bilder + Text:  Alexander Dietz


Ab dem Jahre 2025 soll ein neues Kampfflugzeug die in die Jahre gekommene F-5 Tiger und F/A-18 Hornet Flotte der Schweizer Luftwaffe ersetzen. Nach dem negativen Volksentscheid über den Saab Gripen-Kauf im Jahre 2014 und der aus technischen Gründen vermehrt sinkenden Verfügbarkeit der F/A-18 hatte der Bundesrat 2017 das VBS ermächtigt, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung im Umfang von maximal 8 Milliarden Franken zu planen. 
Im Januar 2019 haben fünf Kandidaten ihre Offerten für neue Kampfflugzeuge für die Schweizer Armee an armasuisse übergeben. Von April bis Juli 2019 werden die Jets auf dem Militärflugplatz Payerne (VD) einer Flug- und Bodenerprobung unterzogen. Fotos der F-35A, F/A-18E/F, Rafale und Eurofighter Typhoon in Payerne finden Sie auf unserer Bild-Datenbank unter dem Stichwort Air2030.


1993 wurde das Joint-Strike-Fighter Programm (JSF) mit dem Ziel gestartet, für Air Force, Navy und Marine ein gemeinsames Flugzeug zu entwickeln. Die Basisversion X-35A setzte sich im Jahre 2001 gegen das als zu komplex erachtete Konkurrenzmodell von Boeing durch und soll die Lücke zwischen der F/A-18E/F Super Hornet der Seestreitkäfte, die nur über beschränkte Stealth-Fähigkeiten verfügt und der F-22A Raptor der US Air Force, deren Kosten aus dem Ruder liefen und die zudem nicht für den Export bestimmt waren, schliessen. 2011 begann die Serienproduktion der drei verschiedene Modelle, die F-35A  (Luftwaffe), F-35B STOVL (Marine) und F-35C (Navy). Die F-35 soll die bei vielen Luftwaffen ältere Muster wie die F-16 Fighting Falcon ersetzen.

Landung der HL AF 13-5081 am 07. Juni 2019


Ankunft der Flugzeuge

Spät am Abend des 31. Mai landeten vier Lockheed Martin F-35A Lightning II (13-5077, 13-5079, 13-5081, 13-5083) der US Air Force auf dem Militärflugplatz in Payerne. Vom 6. bis 13. Juni fand die Luft- und Bodenerprobung mit den Flugzeugen des 388th Fighter Wing, 34th Fighter Squadron "Rude Rams" von der Hill AFB in Utah, in der Schweiz statt.


Medienorientierung durch Lockheed Martin

Am 07. Juni 2019 hielt Lockheed Martin eine Medienorientierung auf dem Militärflugplatz Payerne ab. Wie schon bei der Präsentation der Boeing F/A-18E/F Super Hornet nahm auch diesmal der US Botschafter in der Schweiz, Ed McMullen an der Veranstaltung teil. Vor versammelter nationaler und internationaler Presse legten die Repräsentanten von Lockheed Martin die Gründe dar, warum die F-35A Lightning II für die Schweiz das am besten geeignete Flugzeug ist.


Ausgestellte F-35A Lightning II HL AF 13-5079


Abmessungen
Die F-35A CTOL ist 15,67m lang, 10,67m breit und 4,57m hoch. Die Flügelfläche beträgt 42,7m2. Das Flugzeug wiegt leer 13,2t, das maximale Abfluggewicht liegt bei 31,7t. Die internen Tanks fassen 8,3 Tonnen Treibstoff die für einen Einsatzradius ohne Luftbetankung von 1080 km reichen. Externe Tanks können keine mitgeführt werden. Das maximale Lastvielfache soll bei 4,6g liegen.

Eine zweisitzige Version der F-35 ist derzeit nicht geplant.

Cockpit
Im Cockpit der F-35 findet ein Panorama-Cockpit-Display (PCD) (ca.50x20cm) Anwendung, das die Übersicht für den Piloten verbessert und durch die Touch-Screen-Auslegung diesen entlasten soll. Die F-35 ist das erste US-Kampfflugzeug, das als Serienmaschine über eine Sprachsteuerung verfügt. Europäische Maschinen wie der Eurofighter oder die schwedische Saab JAS 39 Gripen verwenden Voice-Control serienmässig. Alle F-35 Varianten verfügen einen US16E / Mk.16 Schleudersitz von Martin-Baker, der auch bei Eurofighter, Rafale und PC-21 eingebaut wird.
Panorama-Cockpit-Display (PCD) (ca.50x20cm)

Takeoff der F-35A HL AF 13-5077

Triebwerk
Ein Pratt & Whitney F135-100 Turbofan Triebwerk mit 128kN ohne und 191kN mit Nachbrenner beschleunigt die Lightning II auf eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,6 und bringen sie auf eine Dienstgipfelhöhe von 15,200mDas Schub-Gewichts-Verhältnis liegt minimal bei 0,88, maximal bei 1,48.

HL AF 13-5081 beim Start mit Nachbrenner in Meiringen (12.06.2019)

Gemäss Lärmmessungen der USAF im Jahre 2008 ist die F-35 in "takeoff-configuration" 9 dB, "cruise-config" 18 dB und in "approach-config" 10 dB lauter als eine F-15 Eagle. (Link) zu den veröffentlichten Daten inklusive Vergleich mit der Boeing F/A-18E/F Super Hornet.

Alan Norman, Chief Test Pilot von Lockheed Martin vor den Medien

Von der F-35 werden drei verschiedene Modelle gebaut

                                           F-35A CTOL (conventional takeoff and landing)
                                           F-35B STOVL (short takeoff and vertical landing)
                                           F-35C CV (Carrier)



EKF
Zu Gunsten der Stealth-Fähigkeiten und im Glauben an die elektronische Überlegenheit wurden bei der Wendigkeit Abstriche gemacht. Auf diese Weise soll die Bedrohung durch immer weiter reichende Lenkwaffen und Sensoren bestmöglich neutralisiert werden. Darüber hinaus wurde ein starker Fokus auf vernetzte Kriegsführung und Situationsbewusstsein gelegt, sodass die Maschine über mehrere leistungsfähige Sensoren, Datenlinks und Benutzerschnittstellen verfügt. Durch das Zusammenwirken dieser Technologien sollen feindliche Kräfte bereits auf große Distanz geortet und bekämpft werden, noch bevor diese die F-35 selbst erfassen können.

HL AF 13-5081 rollt nach dem Einsatz zur Box 2


"Walk around" F-35A Lightning II

AN/AAQ-40 EOTS (Electro-Optical Targeting System) und 
einer von sechs DAS-IR Sensoren unter der Nase

Vor dem Bugfahrwerk befindet sich das optische Zielsystem AN/AAQ-40 EOTS (Electro-Optical Targeting System) von Lockheed Martin, basierend auf dem Sniper ATP-Pod. Im Luft-Luft Modus können Luftziele anhand ihrer Wärmeemissionen erfasst und verfolgt werden.

AN/AAQ-37 Sensoren auf der Nase vor dem Cockpit

Zum Selbstschutz verfügt die Maschine über das AN/AAQ-37 Electro-optical Distributed Aperture System (DAS) von Northrop Grumman. Sechs hochauflösende IR Sensoren über den Rumpf verteilt gewährleisten eine ungestörte Rundumabdeckung zum Schutz vor Lenkwaffen und aktivieren Gegenmassnahmen ohne Zutun des Piloten.

Hochempfindliche Sensoren des AN/ASQ-239 zur Erfassung von Radarstrahlung sind in den Flügel-Vorderkanten und an den Hinterkanten des Höhenruders eingebaut. Das System umfasst neben den üblichen Infrarot- und Radar-Täuschkörpern unter dem Rumpf auch geschleppte Radar-Störkörper vom Typ AN/ALE-70, die nach dem Ausstoßen die vom ASQ-239 generierten Störsignale in einiger Distanz hinter der Maschine aussenden.

Heckansicht mit einem Fenster des DAS-IR Sensors und . . .

. . . der gezähnten Düse des Pratt & Whitney F135-100 Triebwerks

Die gezähnte Form soll Radarstrahlen von der Quelle weg reflektieren und so die IR Signatur reduzieren. Die Düse wird von den meisten Seiten durch Höhenruder und Seitenleitwerk abgedeckt und soll so besser vor Beschuss durch IR Lenkwaffen geschützt werden. Solche gezähnte Kanten finden sich an der ganzen Maschine, unterstützt durch Radar absorbierende neuartige Verbundwerkstoffe und auf der Oberfläche eingesetzte Beschichtungen. 

Bordkanone mit Magazin darüber die Öffnung für die Boom-Luftbetankung

 Je zwei "Luneburg Lens Radar Reflectors" unter dem Rumpf und . . .

. . . auf der Rumpfoberseite tarnen die F-35 als konventionellen Fighter

"Luneburg Lens Radar Reflectors" macht die F-35 am Radar sichtbar und lässt den Gegner im Glauben, dass es sich um ein älteres Kampfflugzeug und nicht um einen Stealth-Fighter handeltGegnerische Radarbetreiber werden nicht übermässig viel Zeit damit verbringen, das Flugzeug zu verfolgen und seine Kampffähigkeiten zu ermitteln. Experten haben das Lüneburg-Linse als den effizientesten derzeit erhältlichen passiven Radarreflektor bezeichnet, der weder eine Stromversorgung noch eine Wartung erfordert. Die USAF und andere Betreiber haben Luneburg Reflectors bei ihren Stealth-Jägern installiert.

Das Flugzeug verfügt über ein Raytheon AN/APG-81 AESA Radar


Eine vierläufige 25mm GAU-22/A Gatling-Kanone von General Dynamics mit 3300 Schuss pro Minute ist auf der linken Rumpfseite eingebaut. 180 Schuss Munition stehen maximal zur Verfügung. Die beiden grünen Streifen sind "Formation Lights" für den Nachtflug, darunter der Zugang zum Betankungssystem.


Warnung vor dem Fanghaken

Detail auf dem Rumpf

Der Spotter-Anlass am Nachmittag

Durch Lockheed Martin organisiert: Fotowand und Souvenirs . . .


. . . sowie Catering für die zahlreichen Besucher

Um 15:15 Uhr rollt die F-35A Lightning II HL AF 13-5077 . . .

. . . zum Start auf Piste 05

F-35A Lightning II HL AF 13-5081 beim Takeoff ohne NB

16:56 Uhr - Landung der F-35A HL AF 13-5077

Gedränge am Zaun für ein gutes Bild

F-35A HL AF 13-5081 mit der mittelalterlichen Kirche von Morens

IR Kurzstrecken Luft-Luft Lenkwaffe Raytheon AIM-9X Sidewinder

Die maximale Waffenlast an 6 Aussenstationen und Rumpfschächten beträgt 8200kg. Werden Waffen an den Aussenstationen mitgeführt, verliert die Maschine die Stealth-Eigenschaften.

Pratt & Whitney F135-100 Turbofan Triebwerk mit maximal 191 kN Schub

Die Produktion der Lightning II wird bis zum heutigen Tag von technischen Problemen, Kritik an der Einsatzfähigkeit und hohen Kosten begleitet. Der Stückpreis der A-Variante soll bei 90 Mio USD liegen. Von den fünf an der Evaluation teilnehmenden Flugzeugtypen liegen für die F-35 bisher die meisten Bestellungen vor. Über das Jahr 2030 hinaus wird mit einem Absatz von 2500 Maschinen gerechnet. So wurden die verschiedenen F-35 Versionen von folgenden Nationen bestellt und sind teilweise schon im Einsatz: USA, Australien, Belgien, Dänemark, Israel, Italien, Japan, Korea, Niederlande, Norwegen, Türkei und Grossbritannien.


Ersetzt die F-35A Lightning II ab 2025 die McDD F/A-18C/D Hornet?

Ob der Bund für acht Milliarden Franken neue Kampfjets und Fliegerabwehrsysteme kauft, soll das Stimmvolk entscheiden. Die Typenwahl jedoch soll im Gegensatz zum Gripen-Entscheid, diesmal nicht beim Volk, sondern  in der Kompetenz des Bundesrates liegen.

Wir danken Kaj-Gunnar Sievert von der Abteilung Kommunikation armasuisse für die freundliche Unterstützung und den Zugang zu den bisherigen Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Evaluation eines neuen Kampfflugzeuges für die Schweizer Luftwaffe.


Sonntag, 2. Juni 2019

Biodiversität - Lebensraum Gartenteich

Unser Beitrag an die Artenvielfalt

Ausnahmslos alle Fotos entstanden im Laufe der Jahre in unserem Garten.


Wie es damals begann


Beim Planen des Umschwungs ums Haus legten die Eltern vor fast 40 Jahren schon grossen Wert auf eine natürliche Gestaltung. Als rundhe-rum grosszügig die SBB bei der Entsorgung ihrer giftigen Eisenbahnschwel-len unterstützt wurde, liessen die Eltern aus den, damals bei den Baufirmen unerwünschten Nagelfluh-steinen, für 1600.-- Franken fast 40m natür-liche Stützmauern er-stellen und Steine setzten. Diese sind heute Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna. Die morschen Bahnschwellen des nahen Spielplatzes müssen nun, nach knapp 20 Jahren, für 50`000.-- Franken durch eine Betonmauer ersetzt werden.

Im Lauf der Zeit siedelte sich unterschiedlichstes Leben im Garten an. Im ersten Jahr, als sich die Grube für den geplanten Gartenteich mit Regen-wasser füllte, sonnten sich schon die ersten Wasserfrösche aus dem nahen See und Rauch-schwalben sammelten feuchte Erde für den Nestbau. So natürlich war jedoch nicht das Ziel. Wir erstellten mit Folie und Tonnen von Steinen, Sand und Kies einen 30m2 grossen Teich. Das Ufer gestalteten wir so "natürlich" wie möglich in dem wir gefundenes Lawinenholz, Baumrinden, Wurzeln und grosse Steine aus den Alpen platzierten. Schon bald wuchsen Moose und Flechten auf dem Moderholz.

Und Heute


Im Mai beginnt das alljährliche Froschkonzert. Wenn die Frösche in den Teichen auf zwei Nachbargrundstücken ins Konzert einstimmen, kann es schon mal recht laut werden. Aber mit der richtigen Einstellung lässt es sich auch in der Zeit bei offenem Fenster schlafen. Früher dachten wir noch «. . . muss der so laut sein?». Besonders laute Männchen brachten wir dann auch schon mal dorthin, von wo sie ursprünglich gekommen sind. Aber heute, «who cares?». Uns nicht mehr, s`gibt schlimmeres und nach zwei Monaten ist es eh vorüber. Die Froschkonzerte am Tag werden meist durch den Lärm vorbeifliegender Flugzeuge oder Hubschrauber ausgelöst.

Ein bei den Tieren beliebtes Gewässer ist ein Betonkübel. Ursprünglich für den Dachablauf verwendet, musste er dem Teichbau weichen. Wir setzten ihn in den Garten und so bildet er ein bei Frosch und Molch beliebtes Laichgewässer. Wasserpest, Seerosen und Froschlöffel sorgen im Sommer für kühles Wasser und viele Blüten. Von der Seekanne zählten wir bis zu 40 Blüten welche jedoch bis zum Mittag verblüht sind. Auch die Singvögel besuchen die Gewässer zum Trinken oder nutzen den Flachwasserbereich als Badeplatz. Die Amsel sucht sich am Ufer Moos als Nistmaterial zusammen und fliegt damit zu ihrer Baustelle.

An den Sommerabenden ziehen unzählige Fledermäuse lautlos ihre Kreise über dem Teich und ums Haus und tragen ihren Teil dazu bei, dass Stechmücken keine Chance haben ihre Eier ins Wasser abzulegen. Es hat genügend Fressfeinde und über die Jahre wurden noch keine Mückenlarven beobachtet.

Amphibien und Reptilien


Als eines der ersten Tiere im Jahr, tauchen ab März die Bergmolche am Teichgrund auf und beginnen ihr Paarungsverhalten. Nach dem Ende der Laichzeit verlassen die erwachsenen Tiere das Wasser und jagen fortan in unauffälliger Landtracht, als nachtaktives Landtier, im Garten Kleinlebewesen.

Bergmolch / Alpenmolch (Triturus alpestris) bei der Eiablage
Das Ei wird in ein Blatt gelegt das danach, zum Schutz des Geleges, mit den Hinterbeinen zu einer Tasche gefaltet wird.


Neotener Bergmolch (Triturus alpestris)

Neotenie bezeichnet in der Zoologie bei Schwanzlurchen den Eintritt der Geschlechtsreife im Larvenzustand ohne Metamorphose. Diese tritt bei Bergmolchen relativ oft auf. Kurz nach dem Teichbau ums Jahr 1989 konnten sogar Kamm- und Fadenmolche im Teich beobachtet werden. Leider sind diese beiden Arten im Laufe der Zeit verschwunden. Die Population des anspruchslosen Bergmolches hat sich laufend vergrössert.

Wasserfrösche (Rana esculenta) und Seerose (Nymphaea)

Laichballen des Wasserfrosches

Wasserfrosch (Rana esculenta) auf einem Moospolster

Wasserfrösche sonnen sich im Moos oder auf den Seerosenblätter und zwischendurch tut sich die Ringelnatter  am gedeckten Tisch, der sich ihr bietet, gütlich. Diese ungiftige Schlangenart, die bis 1.4m lang werden kann, steht in der "Roten Liste der bedrohten Arten" und gilt als stark gefährdet. Die bisher im Teich gesichteten Ringelnattern zeigten sich entgegen ihrer Natur nicht sehr scheu und sie konnten gut beim Sonnen und auf der Jagd nach Molchen, Kaulquappen und Fröschen beobachtet werden.


Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica) auf der Jagd . . .

. . . und mit erbeutetem Frosch

Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica) auf einer Baumrinde

Grasfrosch (Rana temporaria)
Bisher erst einmal am Teich gesichtet

Feuersalamander (Salamandra salamandra)

Vom nahegelegenen Bach her sind in der Nacht und bei Regenwetter die lebendgebä-renden Feuersalamander (Salamandra salamandra) unterwegs. Diese, von Gewässern unabhängige und mit Giftdrüsen versehene Salamander-Art versteckt sich tagsüber in Höhlen oder unter Totholz und Steinen.

Mauereidechse (Podarcis muralis) auf Moderholz


Insekten


Den ganzen Sommer über blühen am Wasser Blutweiderich (Lythrum salicaria) und Mädesüss (Filipendula ulmariazur Freude von Bienen und anderen Insekten. Der prächtige Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist durch eigene Bemühungen und einer weiteren Aufzucht im Quartier wieder vermehrt anzutreffen. Andere Schmetterlinge wie z.B. der Bläuling (Lycaenidae) lässt sich jedoch eher selten blicken.

Schwalbenschwanz (Papilio machaon) auf 
Blutweiderich (Lythrum salicaria)

Schwalbenschwanz-Raupe (Papilio machaon) frisch gehäutet

Bläuling (Lycaenidae)

Grosser Kohlweissling (Pieris brassicae) bei der Paarung

Distelfalter (Vanessa cardui) auf Sonnenhut

Pappelschwärmer (Laothoe populi)
Mit einer Flügelspannweite bis 92 Millimetern gehört der Pappelschwärmer (Laothoe populi) zu den grösseren Faltern Mitteleuropas. Bei Gefahr wird ein roter Fleck, der sich auf den beiden Hinterflügel befindet, präsentiert.

Nachtkerzenschwärmer (Proser-pinus proserpina)
Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers ernährt sich von Weidenröschen. In Mitteleuropa ist er nur an klimatisch begünstigten Stellen zu finden.


Aus Mumienpuppe geschlüpfter Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)

Grosse Wollbiene / Garten- Wollbiene (Anthidium manicatum)
Die männliche Wollbiene verteidigt ihr Revier gegen Nahrungskonkurrenten mit ihren Dornen am Hinterleib. Ihre Brut wächst in Erd-, Mauer-, Holzlöcher oder Erdspalten auf.

Frisch geschlüpfte Eintagsfliege (Ephemeroptera / Ephemoptera)


Listspinne (Pisaura mirabilis) mit Kokon aus dem die Jungspinnen schlüpfen


Kürbisspinne (Araniella cucurbitina)


Sichelwanze (Himacerus mirmicoides) saugt Blattläuse aus


Libellen


Die räuberischen Libellen jagen wahllos alle Insekten die sie überwältigen können. Von einem Ansitz aus starten sie ihre Flüge, fangen Insekten oder führen zur Paarungszeit wahre Luftkämpfe mit Artgenossen. Trotz Schnelligkeit und Wendigkeit sind auch sie Futter für Frösche und Vögel. Hausspatzen haben die frisch geschlüpften Libellen als Frühstück entdeckt und so bleiben oft nur vier im Sonnenlicht glänzende Flügel im Kies zurück.


Westliche Feuerlibelle (Crocothemis erythraea), erstmalige . . .

. . . Beobachtung am Gartenteich am 30. Juni 2019
Die Feuerlibelle ist eine erst in den 1980er Jahren aus dem Mittelmeer-
raum in die Schweiz eingewanderte Libellenart

Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)
legt im feuchten Moos am Teichufer ihre Eier ab

Plattbauchlibelle (Libellula depressa)

Vierfleck (Libellula quadrimaculata) mit Wassertropfen

Vierfleck (Libellula quadrimaculata) an 
Fieberklee (Menyanthes trifoliata)


Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum)

Paarungsrad von Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella)


Weidenjungfer (Chalcolestes viridis)

Hufeisen-Azurjungfer (Coenagrion puella) bei der Eiablage

Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum)
Mit dem erscheinen der ersten Heidelibellen kündigt sich der Herbst an

Schlüpfende Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea)

Unzählige frisch geschlüpfte Libellen hängen am Morgen an Farnen und Pflanzenstielen, lassen ihre Flügel aushärten und ziehen schon bald für ihr kurzes Leben über Wasser von dannen.


Vögel


Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros)

Grünling (Carduelis chloris)

Rotkehlchen (Erithacus rubecula)

Buntspecht (Dendrocopos major)

Star (Sturnus vulgaris)

Buchfink (Fringilla coelebs)

Andere Tiere



Weinbergschnecke (Helix pomatia)

Weitere Beobachtungen in/um den Teich sind: Zaunkönige, Haubenmeisen, Amseln, Mönchsmeisen, Fledermäuse, Grasmücken,  Köcherfliegenlarven, Blutrote Heidelibellen, Gebänderte Prachtlibellen, Gelbrandkäfer, Wasserläufer, Gemeiner Teichläufer, Blaue Holzbienen, Rückenschwimmer, Seerosen- oder Laichkraut-Zünsler, Gefleckte Weinbergschnecken, Wasserschnecken, Blutegel, uvm. 

UND . . ., was leider auch gesagt werden muss, zu viele Hauskatzen, die allem was sich bewegt nachstellen.

Pflanzen


Beim Pflanzenkauf haben wir darauf geachtet, nur einheimische, winterharte Sorten wie Hechtkraut, Froschlöffel, Pfeilkraut, Fieberklee zu verwenden. Auf Gräser/Schilf, Rohrkolben, modische Seerosen-Formen und -Farben sowie Exoten haben wir bewusst verzichtet.

Orchidee und Schachtelhalm
Fleischfarbenes Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata)???

Heute wachsen ohne unser Zutun das Gefleckte Knabenkraut (Dactylorhiza maculata) und eine noch nicht exakt bestimmte Orchideen-Art. Ob diese mit gekauften Teichpflanzen oder auf natürliche Weise den Weg an den Teich gefunden haben - wer weiss.

Trompetenflechten (Cladonia fimbriata)
Auf dem Moderholz und zwischen den Steinen gedeihen die verschiedensten Flechten, Moose und Farne. Darunter finden am Tag die Bergmolche Unterschlupf.


Braunstieliger Streifenfarn (Asplenium trichomanes)

Sumpfdotterblume (Caltha palustris)
Als eine der ersten Blumen im Frühjahr erscheint am Ufer dieses goldgelbe Hahnenfussgewächs.

Rundblättriger Sonnentau (Drosera rotundifolia)


Teichmummel / Gelbe Teichrose (Nuphar lutea / Nuphar luteum)
blüht leider eher selten.


Kleine Seerosen (Nymphaea candida)

Lanzettblättriges Pfeilkraut (Sagittaria lancifolia)
Beliebt bei Schwebefliegen und Blattläusen


Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)


Europäische Seekanne (Nymphoides peltata)


Bei Starkregen wird auch der Rasen temporär zum Teich

Mit der Zeit droht auch ein Gartenteich zu verlanden. Rhizome von Seerosen und Fieberklee wachsen immer dichter und können so viel Platz beanspruchen, dass nur noch an der Oberfläche ein paar Zentimeter freies Wasser steht. Frösche finden so immer weniger Raum zum Überwintern am Teichgrund. Nach 25 Jahren kamen wir nicht umhin, den Teich in Handarbeit von 2 Tonnen Wurzelmaterial zu befreien um den Tieren ihren Lebensraum zurück zu geben. Mit einem scharfen Messer wurde das kompakte Wurzelwerk bis zum Teichgrund (1.2m) in tragbare Teile zerschnitten und rausgetragen. Seerosen und Pfeilkraut danach wieder in die Körbe gepflanzt und auf den Grund gestellt. Soo dicht lassen wir`s zukünftig nicht mehr werden. Sieht man beim Gärtner die Preise von Seerosen und Fieberklee - wir haben ein "halbes Vermögen" entsorgt dafür ein Fitness-Abo gespart ;-).

Zu Gast - ein Stockenten-Paar

(Anas platyrhynchos)


Das zweite Jahr in Folge nutzt seit März ein Stockenten-Pärchen vom nahen Vierwaldstättersee den Gartenteich  als Rückzugsort. An gewissen Tagen fliegen sie schon am frühen Morgen ein und bleiben bis zur Abenddämmerung. Da dies ohne Fressen nicht ginge, hatten sie den Teich regelrecht "geplündert". Wegjagen, wie in früheren Jahren, wollten wir sie nicht mehr und so fingen wir an, sie zur Schonung des Teichinhaltes mit Entenfutter zu "verwöhnen". Dies wiederum trug zu einem erhöhten Nährstoffeintrag in den Teich bei. Die beiden haben inzwischen ein solches Vertrauen in uns, dass selbst bei Gartenarbeiten die Schnäbel in den Federn bleiben. Wenn sie Hunger haben, wird schon mal mit dem Schnabel und einem "wäh wäh" an die Tür geklopft um auf sich aufmerksam zu machen. Ist die Türe schon offen, kommt die "Dame" gerne auch mal ins Haus.

Schnee im April 2019

Teich-Idylle im Sommer

Im Vollwaschgang

Dass sich die zwei Enten in dem Umfeld hervorragend zum fotografieren eignen, ist eine schöne Begleiterscheinung. In freier Wildbahn wäre es ohne Tarnung unmöglich, mit Stativ und grossen Tele-Objektiven solche Bilder zu machen. Plötzlich schaut man ordinäre Stockenten mit ganz anderen Augen an und man fragt sich, ob es wirklich nötig ist, selbst diese bei uns noch zu jagen. Bleibt zu hoffen, dass den beiden ein solches Ende erspart bleibt.
Nebenbei - Vergleicht man das Fluchtverhalten unserer einheimischen Wildtiere mit dem von Tieren in anderen Ländern, scheint mir in erster Linie die Jagd der schlimmste Stress- und Fluchtauslösende Faktor zu sein und nicht unser Freizeitverhalten. Überall Einschränkungen, Gebote, Verbote, Ruhezonen und im Herbst knallt es wieder an allen Ecken und Enden im Land.

Voller Einsatz beim Klettern

Im Moment, Anfang Juni kommen Sie meist getrennt. Nach dem «Fly-In» mit lautem «wäk wäk wäk» verlässt zumindest das Weibchen sofort das Wasser und rennt zum Futterplatz. Ohne Scheu frisst sie nun schon aus der Hand. Einzig ungewohnte Kleiderfarben und fremde Leute erwecken nach wie vor ein gewisses Misstrauen. Mit vollem Magen gehts nach ein paar Minuten vom «Startplatz Terrasse» zurück zum See. 

Durch nichts lassen sie sich stören - ausser . . . 

. . . ein anderer Erpel erdreistet sich, auf dem Teich zu landen

Mittlerweile sieht der Erpel schon arg mitgenommen aus. Die geschlagenen Kämpfe mit Rivalen haben ihre Spuren an Schnabel und Gefieder hinterlassen und die beginnende Mauser trägt auch noch ihren Teil dazu bei. Es fällt aber auf, dass das Weibchen viel mehr Zeit in die Gefiederpflege steckt. Mit der Mauser wird wohl auch in diesem Jahr der Besuch wegbleiben. Ob sie im nächsten Jahr wieder kommen werden? Die schönen Erinnerungen an die Begegnungen mit den beiden werden für immer bleiben.

Im Herbst beginnt die ruhige Zeit im Garten. Der Grossteil der abgestorbenen Pflanzen werden im Garten belassen und erst im nächsten Frühjahr geschnitten. Sperlinge lernen von den Distelfinken wie sie an die Samen der Sonnenhüte gelangen können. Bergmolche suchen unter Laub, Steinen und Moderholz ihr Winterquartier auf und die Frösche überwintern am Teichboden. Im "Unterholz" kann man den Zaunkönig regelmässig bei der Futtersuche beobachten. Eher selten finden Goldhähnchen den Weg in den Garten und suchen der Bergföhre nach Insekten.

Distelfink / Stieglitz (Carduelis carduelis)

Braunbrustigel (Erinaceus europaeus)
Letztlich wird es auch für den Igel Zeit, in unserem wilden Garten ein passendes Plätzchen für seinen Winterschlaf zu suchen.

Die warmen Sommerabende sind noch fern

Gewöhnlicher Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica)
vereist durch Schmelzwasser vom Dach

Wir denken dann an die ersten warmen Frühlingstage, wenn das Leben um den Teich von neuem erwacht und all die Protagonisten uns mit ihrem Erscheinen einen Sommer lang erfreuen werden.