Donnerstag, 19. März 2020

Frühling, die Corona-Pandemie, . . .

. . . ob wir daraus etwas lernen werden?

© Bilder/Text: Alexander Dietz


Nach einem viel zu warmen Winter geht es im selben Stile weiter. Dritte Märzwoche und die Tageshöchsttemperaturen liegen bei 20°C. Die Vegetation steht dort, wo sie erst Anfang April stehen sollte und wir stehen an einem Punkt, den zu erleben für uns alle vor kurzem noch undenkbar schien. 
Erst noch hat man sich auf das Jahr 2020 gefreut. Endlich vorbei das `19, das als Zahl schon nicht besonders . . . ., ich schreib mal sympathisch, daher kam. Das war`s dann aber auch schon. Viel gutes hat es von der ersten Woche an nicht gebracht und jetzt bestimmt die COVID-19-Pandemie unseren Alltag. Viel darüber schreiben braucht man nicht. Ein jeder spürt die Einschnitte, die das Erklären der "ausserordentlichen Lage" durch den Bundesrat am 16. März 2020 im Alltag hat.

Alle müssen Verluste in irgend einer Form hinnehmen, akzeptieren und schauen wie es weiter geht. Dass ausgerechnet der CEO der SWISS International Air Lines, einer der rentabelsten Tochtergesellschaften der deutschen Lufthansa AG in einem Interview staatliche Hilfe fordert, stösst mir als selbständigen Fotografen, der auch Aufträge verliert, sauer auf. Die SWISS, mitbeteiligt an der weltweiten, raschen Verbreitung der Pandemie, will öffentliche Gelder? Wer in Wirtschaft und Politik nur halbwegs noch naturverbunden ist, tut gut daran, mal zu schauen, wie die Natur solche Probleme löst. Denn eines ist klar - wir haben uns verrannt. So wie wir mit Ressourcen umgehen, wie Wachstum, steigende Börsenkurse und letztlich Konsum über alles gestellt werden, kann es nicht weiter gehen. Die Natur löst auf Dauer solchen Folgen friedlich, der Mensch nicht. Buchsbaumzünsler und Asiatischer Laubholzbockkäfer aus China, Maiswurzelbohrer, Klimaerwärmung - Folgen einer ausufernden Globalisierung zu deren Bekämpfung auch öffentliche Gelder herhalten müssen. Das Coronavirus ist zumindest gerecht verteilt und auch Investoren tragen im Moment die Folgen ihres Handelns mit. Ob die vorerst 42 Milliarden CHF Finanzhilfe des Bundesrates oder das 750 Milliarden € Notkaufprogramm der EZB den Bürgern direkt nützen wird oder ob nur die ersten, lautesten oder einflussreichsten "Bettler" (à la "SWISS") und ihre Investoren davon profitieren werden, wird sich weisen. Eines sei aber gesagt. Wasser an den Wurzeln ist lebenswichtig für den ganzen Rest des Baumes.

Nutzen wir die Corona-Krise, überdenken wir unser Handeln und ziehen entsprechende Schlüsse daraus. Es kann nicht das Ziel sein, nach der Krise möglichst schnell so weiter zu machen wie wir vor ihr aufgehört haben. Wer erinnert sich nicht an den Banken-Spruch "Hier muss Ihr Geld arbeiten" in den 1990er Jahren. Geld arbeitet nicht. Es sind die Menschen, die etwas herstellen, reparieren, Rohstoffe fördern, in Läden arbeiten, Lebensmittel anbauen oder aktuell in Spitälern am Anschlag laufen - die wahren Systemrelevanten. Pflegen wir das aufkeimende Pflänzchen "Solidarität", brechen wir als Gesellschaft aus dem Hamsterrad aus, das wir angeblich zum Wohlstandserhalt bald "24/7" und immer schneller am Laufen halten. Klima, Natur und Gesellschaft werden auf Dauer profitieren und der Schlamassel hätte wenigstens etwas positives gehabt.

Vier symbolische Fotos aus dem Chiemer-Wald und ein paar Gedanken dazu.

September 2018 
Weisstanne 20m neben dem Zugersee.
Ohne Wasser hat auch die kleine Tanne keine Chance.
Wenn es den Wurzeln schlecht geht, geht es dem ganzen Baum schlecht.

September 2018
Wenn die Wurzel lebt, gedeiht und spriesst neues Grün auch ohne den grossen Rest.
Mikrokosmos, Nährstoffe, Feuchtigkeit - die Grundlage für das Wachstum liegt im Boden

September 2018
Vertrocknete Bäume am Zugersee.
Wasser am falsche Ort bringt nichts - und sei es noch so viel.

November 2019
Folgen des trockenen Sommers 2018.
Den kleinen keine Chance gelassen, den Kopf zu weit in den Wind gehalten,
schlicht zu gross geworden. Halt und Stabilität geben Wurzeln und Boden und
wo die Voraussetzung nicht mehr stimmt, entsteht Platz für Neues.


Es ist Frühling und . . .

. . . eigentlich will ich ein paar Bilder zu diesem Thema zeigen.

Unsere beiden Stammgäste haben sich auch wieder eingefunden

Schnee, aktuell bei 20°C in weiter Ferne - Merlischachen / Allmig (SZ) - 08.04.2012

Kl. und Gr. Mythen, NSG Sägel-Schutt am Lauerzersee (SZ) - 14.03.2017

Naturwald Sihlwald (ZH) - 14.05.2018
Einmal im Jahr haben alle Pflanzen die Chance zum Gedeihen

Narzissen auf der Vue des Alpes (NE) - 24.04.2018

Rämisgummen, Emmental (BE) - 17.04.2014

Rotbuche (Fagus sylvatica) - 13.04.2009

2 Tage vor dem Schnee, Merlischachen / Allmig (SZ) - 06.04.2012

Alpen-Soldanelle (Soldanella alpina)

Laichballen des Grasfrosches (Rana Temporaria)

Lago Maggiore, Gambarogno (TI) - 19.04.2016

Buchenwald am Lindenberg (LU) - 05.05.2017

Blühende Kirschbäume, Küssnacht (SZ) - 07.04.2017

Stadt Bern (BE) - 13.04.2018

Alpenaurikel (Primula auricula) - 18.05.2018

Neuchâtel (NE) - 22.04.2015

Tulpenfest Morges (VD) - 22.04.2015

Berner Alpen, Adligenswil (LU) - 21.04.2018

DS Uri (Bj.1901), Weggis (LU) - 30.04.2017



Dienstag, 11. Februar 2020

Frostige Zeiten - Raureif, Raueis & Co, . . .

. . . alternative Winterfotos wenn der Schnee fehlt

© Bilder: Alexander Dietz

In der kalten Jahreszeit lässt der Frost besondere Gebilde entstehen. Kälte allein reicht dafür meist nicht aus. Gewisse Formen entstehen erst bei völliger Windstille, für andere wiederum kann der Sturm nicht stark genug sein. Allen gemeinsam ist, ohne Feuchtigkeit geschieht nichts. Mit etwas Glück, findet man im Wald Haareis, das ohne die Mitwirkung von Pilzen erst gar nicht entstehen würde, oder nadelförmiger Raureif an Pflanzen, der bei geringster Störung zu Boden fällt. In dieser Folge zeigen wir einen Querschnitt über die verschiedensten Arten von Eis, wie es uns nur die Natur bieten kann.

Alle Fotos zu diesem Thema und noch vieles mehr finden Sie auf unserer Bilddatenbank.


Eis
Es entsteht an Kristallisationskeimen bei Wassertemperaturen unter 0° Celsius in stehenden oder fliessenden Gewässern. Übrigens - ohne Kristallisationskeime konnte besonders reines und ruhiges Wasser unter Laborbedingungen bis -70° Celsius flüssig gehalten werden.








Reif
Mit Reif bezeichnet man das in Bodennähe, durch Resublimation (gasförmig zu fest), entstehende Eis. Der Strahlungsreif entsteht durch die Abkühlung der Erdoberfläche, beim Advektionsreif hinterlässt fliessende Luft bei geeigneten Temperaturen Wasserdampf an den Oberflächen, der abkühlt und letztlich gefriert.







Eisblumen
sind eine spezielle Form von Raureif. Typischerweise entstehen diese an der Innen- oder Aussenseite von Glasscheiben oder anderen glatten Oberflächen und haben die Ähnlichkeit von Pflanzen. Blumenartiges Eis kann auch beim überfrieren von Pfützen oder kleinen Gewässern beobachtet werden.




Raureif
Unterkühlte Wassertröpfchen, als Nebel sichtbar, oder in der Luft enthaltener Wasserdampf setzt sich durch Resublimation (gasförmig zu fest) auf Pflanzen nieder und gefriert. Leichter Wind fördert diese Form von Raureifbildung, die sich nicht nur auf die Bodennähe beschränkt. Die nadelförmigen Eiskristalle wachsen verhältnismässig langsam gegen den Luftstrom.














Raueis
bildet sich aus unterkühlten Nebelwassertröpfchen, die sich bei relativ hohen Windgeschwindigkeiten und Temperaturen zwischen -2° und -10° Celsius gegen die Windrichtung niederschlagen. Raueis besitzt keine kristalline Struktur und schliesst eine grosse Menge an Luftbläschen ein. Es besitzt eine gewisse Festigkeit, kann aber bei Erwärmung durch herunterfallen (Eisbruch) eine Gefahr darstellen. Bei länger andauernder Wetterlage kann die Gewichtszunahme an Bäumen und Stromleitungen zu Schäden führen.








Kammeis
Kammeis entsteht in Form von gebündelten Eisnadeln, die aus vegetationslosen oder -armen, jedoch nicht durchgefrorenen Böden zu wachsen scheinen. Der Boden wird durch die Kammeisbildung aufgelockert und die Erosion gefördert. Die Entstehung ähnelt der des Haareises.



Haareis
oder auch Eiswolle, entsteht bei geeigneten Bedingungen auf feuchtem und morschem Totholz. Die Eisnadeln entstehen durch das im Holz enthaltene Wasser. Das Wachstum wird durch den Stoffwechsel von im Holz wachsenden, winteraktiven Pilzen ausgelöst, deren Gase das leicht unterkühlte Wasser an die Oberfläche verdrängt und es an der kälteren Umgebungsluft gefrieren lässt. Wichtige Voraussetzungen für das Phänomen sind Temperaturen knapp unter 0°C, eine hohe Luftfeuchtigkeit, die ein sublimieren verhindert, Windstille und, nicht zu vergessen, der richtige Pilz.







Eisglocken / Klareis
Ein tagelanger, starker Ostwind (Bise) und Wellen liessen Ende Februar 2018 das Ufer des Zugersees, auf der Chiemen-Halbinsel zu einer bizarren Welt erstarren, wie es nur selten geschieht. Auf der Südseite wuchsen auf Totholz und Wurzeln Eisglocken heran, auf der Nordseite, wo Wind und Wellen für starke Gischt sorgten, vereiste das Ufer bis drei Meter über den Seespiegel (Bilder unter gefrierende Gischt).









Gefrorene Gischt
sorgt in der Westschweiz für eindrückliche Bilder. Besonders die Stadt Genf und das Städtchen Versoix am Genfersee locken dann Schaulustige in die Kälte raus, um die vereisten Seepromenaden zu erkunden. Ohne Spikes an den Schuhen wird ein Vorwärtskommen zu einem Abenteuer, das manch einer mit blauen Flecken bezahlt. Wer sein Auto nicht rechtzeitig umgeparkt hat, wird seinen Urlaub wohl verlängern oder an die Arbeit ein alternatives Verkehrsmittel wählen müssen.