Freitag, 29. Mai 2020

Der violette Grashüpfer - eine Laune der Natur. . .

. . . im Bergsturzgebiet am Rossberg

© Text & Bilder: Alexander Dietz

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Eigentlich war am 27. Mai ein anderes Foto-Projekt geplant. Aber wie es manchmal so ist, kommt etwas dazwischen, auf das man keinen Einfluss hat. Diesmal war es eine wegen einer Baustelle gesperrte Strasse. Laufen? Keine Option. Umdisponieren? Kein Problem, gehört doch Flexibilität zur Grundausstattung eines Naturfotografen. So begebe ich mich ins Goldauer Bergsturzgebiet um, mit etwas Glück, neue Orchideen für das Bildarchiv zu entdecken.

Wiesengrashüpfer (Chorthippus dorsatus)
Farbvariante Pantone 240C


Wer schon im Abbruchgebiet unterwegs war weiss, wie unerbittlich auch im Frühjahr die Sonne da reinbrennt und wie heiss es zuweilen werden kann. Ausdauer ist da sehr gefragt. Und doch braucht es manchmal eine Extraportion Motivation, in der Geröllwüste weiter nach Fotoobjekten zu suchen. Schon auf dem Rückweg ins Tal, entschloss ich mich trotzdem noch, auch den nächsten Weg ein Stückweit abzulaufen. Viel fotogenes gab es nicht zu entdecken, ausser . . . ein 15mm langes, violettes Etwas, das sich beim genauen Hinschauen als Grashüpfer entpuppte. 


So auffällig wie der daherkommt, wird der sicher einfach zu bestimmen sein, zumal ich der Meinung bin, so einem schon im Heuschreckenbuch begegnet zu sein. Aber weit gefehlt. Ein Grashüpfer in der Farbe Pantone 240C oder ähnlich ist da nirgends zu finden. Des Rätsels Lösung - bei der roten Farbvariante handelt es sich um eine Genmutation, bezeichnet als Erythrismus / Rufinismus.


Bei diesem Grashüpfer, wohl ein Wiesengrashüpfer (Chorthippus dorsatus), handelt es sich noch um eine Nymphe, also einem Jungtier vor der letzten Häutung zum Vollinsekt (Imago). Dass so eine auffällige Farbgebung für ein langes Leben nicht von Vorteil sein kann, versteht sich von selbst und so ist es nicht verwunderlich, dass rosarote Imagines praktisch nicht beobachtet werden können. Diesen kleinen Kerl in einem Gebiet zu entdecken, wo vor über 200 Jahren 40 Mio m3 Gestein zu Tale donnerten, ein Zufall? Manchmal hat es auch etwas Gutes, wenn nicht alles wie geplant läuft. Auch eine Erfahrung, die einen Naturfotografen eine gewisse Gelassenheit lehrt.




PS - Eine neue Orchidee hat es auch noch gegeben.


Montag, 11. Mai 2020

Naturschutzgebiet Sägel-Schutt am Lauerzersee (SZ)

Entstanden aus der Bergsturz-Katastrophe im Jahre 1806 

© Text & Bilder: Alexander Dietz

Der Bergsturz am Rossberg

Am 2. September 1806 wurde das Gebiet zwischen Zugersee und Lauerzersee von der, neben dem Basler Erdbeben im Jahre 1356, grössten Naturkatastrophe der Schweizer Geschichte heimgesucht. Rund 40 Mio m3 Nagelfluhgestein rutschten beim Bergsturz vom Gnipen (1567m) innert drei Minuten 1000 Meter ins Tal und zerstörten 6,5 km2 Land und das Dorf Goldau. Dabei verloren 457 Menschen und 320 Stück Vieh ihr Leben, 330 Gebäude wurden zerstört. Der Lauerzersee büsste 14% seiner Fläche ein. Es war nicht das erste solche Ereignis am Rossberg, jedoch das Folgenreichste. Für die heutige Landschaftsbildung war der Bergsturz von Oberarth im 14. Jahrhundert von grösserer Bedeutung, entstand durch ihn doch der Lauerzersee.

150`000 m3 Murgang nach den Unwettern vom 22. August 2005

Das Dorf wurde wieder aufgebaut und im späten 19. Jh. entstand mit dem Bau der Gotthardeisenbahn ein wichtiger Bahn-Knotenpunkt im Nord-Süd und Ost-West Verkehr von SBB und SOB sowie der Bergbahn auf die benachbarte Rigi. 1925 wurde im landschaftlich wilden Teil des Schuttkegels der Natur- und Tierpark Goldau eröffnet.

Bedrohliche Felsmassen im Schuttkegel von 2005 über Goldau am Fusse des Rossbergs

Das NSG Sägel-Schutt

Die Landschaft

Wer Ruhe und Erholung in der Natur sucht, findet diese ab Bahnhof Goldau in einem 30 minütigen Fussmarsch zum Goldseeli oder über den "Hexenweg" im Naturschutzgebiet Sägel-Schutt. Vorbei an mächtigen Gesteisblöcken, Zeugnisse des Ereignisses vor 200 Jahren, erreicht man das 100 ha grosse Schutzgebiet von nationaler Bedeutung, in dem unzählige Tier- und Pflanzenarten einen wertvollen und geschützten Lebensraum finden. Romantische Seerosenteiche und verschiedenste Orchideen gibt es am Wegrand zu entdecken. Und mit etwas Glück erblickt man, nach langer Abstinenz, wieder einen gut getarnten Laubfrosch beim "Sünnele".

Riedflächen aus der Luft

Teich am Hexen-Weg im trockenen Frühling 2020

Das Goldseeli, an dem sich zuweilen auch der Eisvogel blicken lässt

Vollmondaufgang zwischen den beiden Mythen - Hochwasser im Frühling

Morgenstimmung - Frühlings-Krokusse (Crocus vernus)

Morgenrot

Sonnenaufgang am Grossen Mythen

Frühling am Lauerzersee - Kleiner- und Grosser Mythen

Die Tage werden wieder kürzer - Morgennebel über dem Lauerzersee


Die Pyramide ;-) von Schwyz


Morgenstimmung mit Spiegelbild

Die Sonne erscheint . . .

. . . oder der Vollmond

Die Schneewolken ziehen ab und machen der Sonne Platz

Pfannkucheneis

Wintersturm Burglind vom 2./3. Januar 2018


Die Tiere

Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea) beim Sonnen am Wegrand

Beim Wiederansiedlungsprojekt im NSG Sägel-Schutt, das im Jahre 2008 durch die Stiftung Lauerzersee und dem Tierpark Goldau begonnen wurde, wurden über 6000 Kaulquappen und Frösche ausgesetzt. 25 Jahre nach dem Verstummen der Laubfrösche am Lauerzersee ist deren Gesang an lauen Frühlingsabenden im Gebiet wieder zu hören.

Gelbbauchunken (Bombina variegata)

Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica)


Schlingnatter (Coronella austriaca)

Europäischer Hecht (Esox lucius)

Erlenzeisig (Spinus spinus)

Haubenmeise (Lophophanes cristatus)

Steinadler (Aquila chrysaetos) kreist über dem Goldseeli

Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)

Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula) m

Falkenlibelle / Gemeine Smaragdlibelle (Cordulia aenea) m

Blutrote Heidelibellen (Sympetrum sanguineum) m + w

Link zum Libellen-Blog neu mit Falkenlibelle, Frühe Adonislibellen und Gemeiner Winterlibelle

Feldgrille (Gryllus campestris)

Grosse Schiefkopfschrecke (Ruspolia nitidula)

Grünes Heupferd (Tettigonia viridissima)

Raupe der Flohkraut-Eule (Melanchra persicariae)

Goldauge / Grosses Perlenauge (Florfliege - Chrysopa perla)

Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Raupe des Abendpfauenauges (Smerinthus ocellata)

Stabwanze / Wassernadel (Ranatra linearis)

Seerosenzirpen (Erotettix cyane)

Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus)

Orchidee - Grosses Zweiblatt (Listera ovata)

Alle Fotos zu diesen Themen und noch vieles mehr finden Sie auf unserer Bilddatenbank.