Dienstag, 12. November 2019

Das traditionelle Klausjagen in Küssnacht am Rigi



©Bilder + Text: Alexander Dietz
Fotos u.a. aus dem Buch «Küssnachter Klausjagen» (ISBN 978-3-908572-69-5), Verkaufs-Infos unter Klausjagen.ch

Einer der spektakulärsten Bräuche im Alpenraum bildet das alljährliche Klausjagen in Küssnacht am Rigi (Umzugsroute und Ablauf). Seit 1928 wird der Brauch, der bis dahin unter wilden Auswüchsen litt und mitunter für Missstimmung im Dorf sorgte, im geordneten Rahmen abgehalten. Seit der Gründung wird auch der soziale Aspekt hoch gehalten, werden doch alljährlich an die 100 Päckchen mit Nüssen, Lebkuchen, Dörrbirnen und anderen Leckereien an Kranke, Behinderte und Bedürftige abgegeben. Der Umzug, für den jeweils über 20`000 Zuschauer aus nah und fern nach Küssnacht pilgern, findet jeweils am 5. Dezember, jedoch NIE an einem Samstag oder Sonntag, statt.

Die St. Niklausengesellschaft feierte 2018 ihr 90 jähriges Bestehen. Die zum Jubiläum geplante Iffelenausstellung im neuen Umfahrungstunnel musste nach tunnelbaulichen Verzögerungen um ein Jahr verschoben werden und findet/fand nun vom 29.11. - 01.12.2019 statt INFULA 2019.

Die Geisselchlepfer

Schon um 19:30 Uhr versammeln sich die Geisselchlepfer auf dem Hauptplatz und unterhalten die eintreffenden Zuschauer mit ihren Künsten. Es wird langsam eng und manch ein Iffelenträger sucht seinen Weg durch die Massen um zum Treffpunkt auf der Seebodenstrasse zu gelangen.




Pünktlich um 20:15 Uhr, nach dem Böllerknall löschen die Lichter im Dorf. Eine Gruppe Fuhrmannsgeisseln führt den Umzug an und sorgt für den nötigen Platz für die nachfolgenden Iffelen.


Die Iffelen

Bis zu 300 Iffelenträger beginnen sich tänzelnd in Bewegung zu setzten. Die Iffelen, in hunderten von Arbeitsstunden in Handarbeit hergestellte und bis zu 20 kg schwere Unikate, leuchten die Gassen mit ihrem warmen Kerzenlicht aus. Spontaner Applaus der Zuschauer ist den Trägern garantiert. Besonders schwere Iffelen werden abwechslungsweise getragen.






Der Samichlaus

Nach den Iffelen folgt der Nikolaus. Er wird begleitet von Fackelträgern und den Schmutzlis, die an Klein und Gross am Strassenrand Lebkuchen abgeben.




Die Musik

Die seit 1912 verwendete Melodie erhielt Jahre später noch den Text «Mänz, Mänz, Mänz, Bodefridimänz», mit dem Behörden und der damalige Bezirksammann Klemenz Ulrich, der das Klausjagen einschränken wollte, veräppelt wurden. Den Beinamen «Bodefridi» entstand in Anlehnung an seinen Vater Gottfried Ulrich im Boden.



Die Senten- und Klopfentrychler

An die 1000 Trychler folgen in einer Viererkolonne dem Samichlaus und sorgen für einen infernalen Lärm.





Die Hörner

Den Abschluss des Spektakels bilden über 200 Hornbläser mit ihren Kuhörnern. Der aus zwei Teilen bestehende Umzug endet gegen 23:00 Uhr im Unterdorf.



Rippli und Chruut

Im Anschluss trifft man sich zu Rippli und Kraut in den Restaurants im Dorf. Es ist Freinacht. Frisch gestärkt ziehen die verschiedenen «Zügli» mit ihren Treicheln die ganze Nacht durch`s Dorf.




Das Sächsiumzügli

Um 06:00 Uhr treffen sich die ganz hartgesottenen Chlausjäger zum Abmarsch des «Sächsiumzüglis». Dieses "läutet" jeweils den Abschluss des jährlichen Klausentreibens auf dem Kreisel des Hauptplatzes (07:00 Uhr) ein.



Punkt 7 Uhr sollte der Verkehr wieder über den Kreisel rollen


Das Fazzonetli / Klausentuch

                            1978 - W. Müller         1987 - U. Holzgang          2003 - H. Erni 


Treicheln



Iffelenausstellung am Sonntag vor dem Umzug in der Pfarrkirche Küssnacht