Montag, 10. Juni 2019

Air2030 Teil 4 - Lockheed F-35A

Air2030 Teil 4 - Lockheed Martin F-35A in Payerne (VD) - Evaluation NKF für die Schweizer Luftwaffe

© Text & Bilder: Alexander Dietz

Alle Fotos zu diesem Thema und noch viel mehr finden Sie auf unserer Bilddatenbank.


F-35 PinAb dem Jahre 2025 soll ein neues Kampfflugzeug die in die Jahre gekommene F-5 Tiger und F/A-18 Hornet Flotte der Schweizer Luftwaffe ersetzen. Nach dem negativen Volksentscheid über den Saab Gripen-Kauf im Jahre 2014 und der aus technischen Gründen vermehrt sinkenden Verfügbarkeit der F/A-18 hatte der Bundesrat 2017 das VBS ermächtigt, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung im Umfang von maximal 8 Milliarden Franken zu planen. 
Im Januar 2019 haben fünf Kandidaten ihre Offerten für neue Kampfflugzeuge für die Schweizer Armee an armasuisse übergeben. Von April bis Juli 2019 werden die Jets auf dem Militärflugplatz Payerne (VD) einer Flug- und Bodenerprobung unterzogen. Fotos der F-35A, F/A-18E/F, Rafale und Eurofighter Typhoon in Payerne finden Sie auf unserer Bild-Datenbank unter dem Stichwort Air2030.

F-35 Lightning II für die Schweiz?

1993 wurde das Joint-Strike-Fighter Programm (JSF) mit dem Ziel gestartet, für Air Force, Navy und Marine ein gemeinsames Flugzeug zu entwickeln. Die Basisversion X-35A setzte sich im Jahre 2001 gegen das als zu komplex erachtete Konkurrenzmodell von Boeing durch und soll die Lücke zwischen der F/A-18E/F Super Hornet der Seestreitkäfte, die nur über beschränkte Stealth-Fähigkeiten verfügt und der F-22A Raptor der US Air Force, deren Kosten aus dem Ruder liefen und die zudem nicht für den Export bestimmt waren, schliessen. 2011 begann die Serienproduktion der drei verschiedene Modelle, die F-35A  (Luftwaffe), F-35B STOVL (Marine) und F-35C (Navy). Die F-35 soll die bei vielen Luftwaffen ältere Muster wie die F-16 Fighting Falcon ersetzen.

Landung der HL AF 13-5081 am 07. Juni 2019 in Payerne
Landung der HL AF 13-5081 am 07. Juni 2019


Ankunft der Flugzeuge

Spät am Abend des 31. Mai landeten vier Lockheed Martin F-35A Lightning II (13-5077, 13-5079, 13-5081, 13-5083) der US Air Force auf dem Militärflugplatz in Payerne. Vom 6. bis 13. Juni fand die Luft- und Bodenerprobung mit den Flugzeugen des 388th Fighter Wing, 34th Fighter Squadron "Rude Rams" von der Hill AFB in Utah, in der Schweiz statt.


Medienorientierung durch Lockheed Martin

Am 07. Juni 2019 hielt Lockheed Martin eine Medienorientierung auf dem Militärflugplatz Payerne ab. Wie schon bei der Präsentation der Boeing F/A-18E/F Super Hornet nahm auch diesmal der US Botschafter in der Schweiz, Ed McMullen an der Veranstaltung teil. Vor versammelter nationaler und internationaler Presse legten die Repräsentanten von Lockheed Martin die Gründe dar, warum die F-35A Lightning II für die Schweiz das am besten geeignete Flugzeug ist.

Medienorientierung von LM auf dem Flugplatz Payerne

Ausgestellte F-35A Lightning II HL AF 13-5079


Abmessungen
Die F-35A CTOL ist 15,67m lang, 10,67m breit und 4,57m hoch. Die Flügelfläche beträgt 42,7m2. Das Flugzeug wiegt leer 13,2t, das maximale Abfluggewicht liegt bei 31,7t. Die internen Tanks fassen 8,3 Tonnen Treibstoff die für einen Einsatzradius ohne Luftbetankung von 1080 km reichen. Externe Tanks können keine mitgeführt werden. Das maximale Lastvielfache soll bei 4,6g liegen.

Eine zweisitzige Version der F-35 ist derzeit nicht geplant.

Cockpit
Im Cockpit der F-35 findet ein Panorama-Cockpit-Display (PCD) (ca.50x20cm) Anwendung, das die Übersicht für den Piloten verbessert und durch die Touch-Screen-Auslegung diesen entlasten soll. Die F-35 ist das erste US-Kampfflugzeug, das als Serienmaschine über eine Sprachsteuerung verfügt. Europäische Maschinen wie der Eurofighter oder die schwedische Saab JAS 39 Gripen verwenden Voice-Control serienmässig. Alle F-35 Varianten verfügen einen US16E / Mk.16 Schleudersitz von Martin-Baker, der auch bei Eurofighter, Rafale und PC-21 eingebaut wird.
Panorama-Cockpit-Display (PCD) (ca.50x20cm)

Takeoff der F-35A HL AF 13-5077

Triebwerk
Ein Pratt & Whitney F135-100 Turbofan Triebwerk mit 128kN ohne und 191kN mit Nachbrenner beschleunigt die Lightning II auf eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,6 und bringen sie auf eine Dienstgipfelhöhe von 15,200mDas Schub-Gewichts-Verhältnis liegt minimal bei 0,88, maximal bei 1,48.

HL AF 13-5081 beim Start mit Nachbrenner in Meiringen (12.06.2019)

Gemäss Lärmmessungen der USAF im Jahre 2008 ist die F-35 in "takeoff-configuration" 9 dB, "cruise-config" 18 dB und in "approach-config" 10 dB lauter als eine F-15 Eagle. (Link) zu den veröffentlichten Daten inklusive Vergleich mit der Boeing F/A-18E/F Super Hornet.

Alan Norman, Chief Test Pilot von Lockheed Martin vor den Medien

Von der F-35 werden drei verschiedene Modelle gebaut

                                           F-35A CTOL (conventional takeoff and landing)
                                           F-35B STOVL (short takeoff and vertical landing)
                                           F-35C CV (Carrier)



EKF
Zu Gunsten der Stealth-Fähigkeiten und im Glauben an die elektronische Überlegenheit wurden bei der Wendigkeit Abstriche gemacht. Auf diese Weise soll die Bedrohung durch immer weiter reichende Lenkwaffen und Sensoren bestmöglich neutralisiert werden. Darüber hinaus wurde ein starker Fokus auf vernetzte Kriegsführung und Situationsbewusstsein gelegt, sodass die Maschine über mehrere leistungsfähige Sensoren, Datenlinks und Benutzerschnittstellen verfügt. Durch das Zusammenwirken dieser Technologien sollen feindliche Kräfte bereits auf große Distanz geortet und bekämpft werden, noch bevor diese die F-35 selbst erfassen können.

HL AF 13-5081 rollt nach dem Einsatz zur Box 2


"Walk around" F-35A Lightning II

AN/AAQ-40 EOTS (Electro-Optical Targeting System) und 
einer von sechs DAS-IR Sensoren unter der Nase

Vor dem Bugfahrwerk befindet sich das optische Zielsystem AN/AAQ-40 EOTS (Electro-Optical Targeting System) von Lockheed Martin, basierend auf dem Sniper ATP-Pod. Im Luft-Luft Modus können Luftziele anhand ihrer Wärmeemissionen erfasst und verfolgt werden.

AN/AAQ-37 Sensoren auf der Nase vor dem Cockpit

Zum Selbstschutz verfügt die Maschine über das AN/AAQ-37 Electro-optical Distributed Aperture System (DAS) von Northrop Grumman. Sechs hochauflösende IR Sensoren über den Rumpf verteilt gewährleisten eine ungestörte Rundumabdeckung zum Schutz vor Lenkwaffen und aktivieren Gegenmassnahmen ohne Zutun des Piloten.

Hochempfindliche Sensoren des AN/ASQ-239 zur Erfassung von Radarstrahlung sind in den Flügel-Vorderkanten und an den Hinterkanten des Höhenruders eingebaut. Das System umfasst neben den üblichen Infrarot- und Radar-Täuschkörpern unter dem Rumpf auch geschleppte Radar-Störkörper vom Typ AN/ALE-70, die nach dem Ausstoßen die vom ASQ-239 generierten Störsignale in einiger Distanz hinter der Maschine aussenden.

Heckansicht mit einem Fenster des DAS-IR Sensors und . . .

. . . der gezähnten Düse des Pratt & Whitney F135-100 Triebwerks

Die gezähnte Form soll Radarstrahlen von der Quelle weg reflektieren und so die IR Signatur reduzieren. Die Düse wird von den meisten Seiten durch Höhenruder und Seitenleitwerk abgedeckt und soll so besser vor Beschuss durch IR Lenkwaffen geschützt werden. Solche gezähnte Kanten finden sich an der ganzen Maschine, unterstützt durch Radar absorbierende neuartige Verbundwerkstoffe und auf der Oberfläche eingesetzte Beschichtungen. 

Bordkanone mit Magazin darüber die Öffnung für die Boom-Luftbetankung

 Je zwei "Luneburg Lens Radar Reflectors" unter dem Rumpf und . . .

. . . auf der Rumpfoberseite tarnen die F-35 als konventionellen Fighter

"Luneburg Lens Radar Reflectors" macht die F-35 am Radar sichtbar und lässt den Gegner im Glauben, dass es sich um ein älteres Kampfflugzeug und nicht um einen Stealth-Fighter handeltGegnerische Radarbetreiber werden nicht übermässig viel Zeit damit verbringen, das Flugzeug zu verfolgen und seine Kampffähigkeiten zu ermitteln. Experten haben das Lüneburg-Linse als den effizientesten derzeit erhältlichen passiven Radarreflektor bezeichnet, der weder eine Stromversorgung noch eine Wartung erfordert. Die USAF und andere Betreiber haben Luneburg Reflectors bei ihren Stealth-Jägern installiert.

Das Flugzeug verfügt über ein Raytheon AN/APG-81 AESA Radar 
(screenshot)


Eine vierläufige 25mm GAU-22/A Gatling-Kanone von General Dynamics mit 3300 Schuss pro Minute ist auf der linken Rumpfseite eingebaut. 180 Schuss Munition stehen maximal zur Verfügung. Die beiden grünen Streifen sind "Formation Lights" für den Nachtflug, darunter der Zugang zum Betankungssystem.


Warnung vor dem Fanghaken

Detail auf dem Rumpf

Der Spotter-Anlass am Nachmittag

Durch Lockheed Martin organisiert: Fotowand und Souvenirs . . .


. . . sowie Catering für die zahlreichen Besucher

Um 15:15 Uhr rollt die F-35A Lightning II HL AF 13-5077 . . .

. . . zum Start auf Piste 05

F-35A Lightning II HL AF 13-5081 beim Takeoff ohne NB

16:56 Uhr - Landung der F-35A HL AF 13-5077

Gedränge am Zaun für ein gutes Bild

F-35A HL AF 13-5081 mit der mittelalterlichen Kirche von Morens

IR Kurzstrecken Luft-Luft Lenkwaffe Raytheon AIM-9X Sidewinder

Die maximale Waffenlast an 6 Aussenstationen und Rumpfschächten beträgt 8200kg. Werden Waffen an den Aussenstationen mitgeführt, verliert die Maschine die Stealth-Eigenschaften.

Pratt & Whitney F135-100 Turbofan Triebwerk mit maximal 191 kN Schub

Die Produktion der Lightning II wird bis zum heutigen Tag von technischen Problemen, Kritik an der Einsatzfähigkeit und hohen Kosten begleitet. Der Stückpreis der A-Variante soll bei 90 Mio USD liegen. Von den fünf an der Evaluation teilnehmenden Flugzeugtypen liegen für die F-35 bisher die meisten Bestellungen vor. Über das Jahr 2030 hinaus wird mit einem Absatz von 2500 Maschinen gerechnet. So wurden die verschiedenen F-35 Versionen von folgenden Nationen bestellt und sind teilweise schon im Einsatz: USA, Australien, Belgien, Dänemark, Israel, Italien, Japan, Korea, Niederlande, Norwegen, Türkei und Grossbritannien.


Ersetzt die F-35A Lightning II ab 2025 die McDD F/A-18C/D Hornet?

Ob der Bund für acht Milliarden Franken neue Kampfjets und Fliegerabwehrsysteme kauft, soll das Stimmvolk entscheiden. Die Typenwahl jedoch soll im Gegensatz zum Gripen-Entscheid, diesmal nicht beim Volk, sondern  in der Kompetenz des Bundesrates liegen.

Wir danken Kaj-Gunnar Sievert von der Abteilung Kommunikation armasuisse für die freundliche Unterstützung und den Zugang zu den bisherigen Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Evaluation eines neuen Kampfflugzeuges für die Schweizer Luftwaffe.


zur


Alexander Dietz - Fotograf BR - Obstgarten 4 - CH-6402 Merlischachen / Schweiz