Montag, 22. April 2019

Air2030 Teil 1 - Eurofighter Typhoon in Payerne (VD)

Evaluation NKF für die Schweizer Luftwaffe
Bilder:  Didier Ischi
Text:     Alexander Dietz 
            Didier Ischi

Ab dem Jahre 2025 soll ein neues Kampfflugzeug die in die Jahre gekommene F-5 Tiger und F/A-18 Hornet Flotte der Schweizer Luftwaffe ersetzen. Nach dem negativen Volksentscheid über den Saab Gripen-Kauf im Jahre 2014 und der aus technischen Gründen vermehrt sinkenden Verfügbarkeit der F/A-18 hatte der Bundesrat 2017 das VBS ermächtigt, die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge und Mittel zur bodengestützten Luftverteidigung im Umfang von maximal 8 Milliarden Franken zu planen. 
Im Januar 2019 haben fünf Kandidaten ihre Offerten für neue Kampfflugzeuge für die Schweizer Armee an armasuisse übergeben. Von April bis Juli 2019 werden die Jets auf dem Militärflugplatz Payerne (VD) einer Flug- und Bodenerprobung unterzogen. 
Den Anfang machte Airbus Deutschland mit dem Eurofighter Typhoon. Zu dem Zweck waren in der KW 15 und 16 zwei Maschinen der No.41(TES) Test and Evaluation Squadron der Royal Air Force aus Coningsby in der Schweiz. 

Die Fotos vom Eurofighter in Payerne sowie von der Evaluation Tiger Teilersatz TTE im Jahre 2008 in Emmen finden Sie zum Downloaden in unserer Datenbank - Stichwort Eurofighter.

Ankunft des Eurofighter Typhoon T.3 ZK303 AX (No.41 (TES) sqn.) . . .

. . . und Typhoon FGR.4 ZK356 (No.41 (TES) sqn.) in Payerne

Die erste Phase der Evaluation der NKF bei den Herstellern ist abgeschlossen. Sie deckte vor allem die Bereiche Simulation, Wartung und Logistik ab. Die Flugerprobung in der Schweiz hat folgende Ziele: Die Flugdaten der Kandidaten zu prüfen sowie Sensoren und Radar der Flugzeuge in einer realistischen Lage zu testen. Dazu werden acht Einsätze geflogen. Sieben Einsatzszenarien (6x Tag, 1x Nacht) sind von der armassuisse vorgegeben um gleichbleibende Bedingungen zwischen den Kandidaten zu schaffen. Das letzte Szenario ist von den Herstellern selbst bestimmt um die spezifischen Leistungen ihrer Flugzeuge zu zeigen. Zur Mission 3 während des Medienanlasses starten gemeinsam vier F/A-18 Hornet, zwei F-5 Tiger und zwei Eurofighter.

Ersetzt der Eurofighter Typhoon ab 2025 die McDD F/A-18C Hornet?

«Der Eurofighter ist in einem hohen Masse auf Daten- und Betriebsautonomie ausgelegt. Seine benutzerfreundlichen Systeme unterstützen den Piloten bei der Ausführung seiner Aufgaben. Im Luftpolizeidienst der Deutschen Luftwaffe brauchen die Eurofighter bei einem QRA durchschnittlich 7-8 Minuten bis sie in der Luft sind. Mit einen Schub/Gewichtverhältnis von 1,15, einer Steigrate von 200m/s und einer Geschwindigkeit von Mach 1.5 ohne Nachbrenner (mit NB 300m/s, Mach 2) kann der Typhoon sehr schnell an der Seite eines zu identifizierenden Zivilflugzeuges auf 10'000 m Höhe sein» erläutert Raffael Klaschka, Leiter Bereich Marketing der Eurofighter GmbH und ehemaliger Phantom-, Hornet- und Eurofighter Pilot den Medien. 

Eurofighter Typhoon T.3 - der Doppelsitzer rollt aus der Box,

gefolgt vom Einsitzer Eurofighter Typhoon FGR.4 ZK356

Sollte die Schweiz die nötige Software und Bewaffnung beschaffen, kann der Eurofighter in Zukunft sowohl für den Schutz des Luftraums (Luftpolizei), für die Luftaufklärung und für den Erdkampf eingesetzt werden. Die Maschinen verfügen über 13 Aufhängepunkte für Aussenlasten und können die selben Lenkwaffen (AIM-120 C7 AMRAAM und AIM-9X) wie die F/A-18 Hornet mitführen.

Eurofighter Typhoon FGR.4 ZK356 beim Start

Die zwei Eurojet EJ200-3A Triebwerke bringen einen Schub von je 60kN ohne und 90kN mit Nachbrenner. Das Schub-/ Gewichtsverhältnis des Mach 2.35 schnellen und bis 24 Tonnen schweren Jets liegt bei einer mittleren Startmasse von 16 Tonnen bei 1,15.


Start mit Northrop Grumman AN/AAQ-28(V) LITENING tageting pod

Für einen Teil der Flugversuche trugen die getesteten Eurofighter einen Zielbeleuchtungsbehälter des Typs Northrop Grumman AN/AAQ-28(V) LITENING III, zwei Treibstofftanks und Lenkwaffen des Typs MBDA AIM-132 ASRAAM. Der LITENING-Pod ist mit seinem schwenkbaren Sensorkopf ausgerüstet und in der Lage, auf grosse Distanzen, nachts und bei schlechtem Wetter Ziele zu erfassen und mittels Laserstrahl für gelenkte Waffen zu beleuchten. Die Kurzstrecken-Luft-Luft-Raketen mit Infrarotsucher haben eine grössere Reichweite als der AIM-9X und können im Gegensatz zur Sidewinder auch nach dem Abschuss noch mit Ziel-Informationen versorgt werden.


Maj i Gst Cédric A. (links) mit RAF Pilot nach einem Einsatz

Der Eurofighter Typhoon T.3 ZK303 landet für die Durchführung der Lärmmessungen durch die EMPA mit Bremsschirm auf dem Flugplatz Meiringen.


Die beiden in der Schweiz getesteten Eurofighter kamen nicht wie erwartet aus Deutschland, sondern aus England. Der Grund dafür könnte sein, dass das neue Captor-E Radar die Flugversuche 2018 bei BAE Systems erfolgreich abgeschlossen hat. Dabei hat es den Reifegrad erreicht, um in die Serienproduktion zu gehen.  Vermutlich war einer der in Payerne getesteten Eurofighter (T.3?) mit diesem neuen Radar ausgerüstet. Kuwait wird 2020 als erster Eurofighter Kunde die Maschinen mit seriell eingebautem Captor-E Radar erhalten.

Eurofighter Typhoon FGR.4 ZK356 Start zum Nachtflug

Am 15. April 2019, etwa 30 Minuten nach Sonnenuntergang startete der Eurofighter zu einem Luftpolizeieinsatz. Das Szenario des 8. Einsatzes der Erprobung wurde von Airbus frei gewählt, um die besonderen Eigenschaften der Eurofighter zu zeigen. Dabei demonstrierte der Flugzeughersteller die Interoperabilität seiner Maschinen mit  der Teilnahme eines weiteren Eurofighters aus Deutschland an der Erprobung

Ob der Bund für acht Milliarden Franken neue Kampfjets und Fliegerabwehrsysteme kauft, soll das Stimmvolk entscheiden. Die Typenwahl jedoch soll im Gegensatz zum Gripen-Entscheid, diesmal nicht beim Volk, sondern  in der Kompetenz des Bundesrates liegen.

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