Samstag, 24. August 2019

Libellen in der Schweiz

©Bilder + Text: Alexander Dietz

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Vor 300 Mio Jahren zählten die Vorfahren der uns heute bekannten Libellen zu den grössten Insekten die je gelebt haben. Sie erreichten Flügelspannweiten um 70cm und Rumpfdurchmesser bis 3cm. Ihre Nachfahren treten bezüglich Grösse wesentlich bescheidener auf. Von den weltweit rund 6000 bekannten Arten sind oder waren in der Schweiz weniger als 100 heimisch. Während einige Arten durch die Zerstörung ihrer Lebensräume ausstarben, wandern durch das veränderte Klima neue, wärmeliebende Individuen aus dem Süden bei uns ein.
Blauflügel-Prachtlibellen (Calopteryx virgo) m im Schwirrflug

Die wahre Schönheit dieser flinken Insektenjäger erschliesst sich erst bei genauerem hinsehen. Unscheinbar braune bis feuerrote Tiere mit Körperlängen von 3cm bis 8cm lassen sich in Gewässernähe und fernab, ruhend oder auf der Jagd, entdecken. Die Populationsgrössen der verschiedenen Arten erreichen von Frühling bis Herbst zu unterschiedlichen Zeiten ihre Höhepunkte. 
Jede Art hat ihre bevorzugten Lebensräume an Quellgewässern, Moorgewässern, Kies- / Lehmgrubengewässern, Seeufern, kleinen und grossen Fliessgewässern, Wiesengräben oder kleinen Teichen. Um solche, zum Teil seltenen Populationen zu bewahren und zu schützen, müssen im Laufe des Jahres auch in Naturschutzgebieten Mäharbeiten durchgeführt werden um Gewässer und Riedland vor dem Zuwachsen und Verbuschen zu bewahren.
Grosser Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) (w) vertilgt . . . 

. . . eine Gemeine Viehbremse (Tabanus bromius). Libellen leben räuberisch und erbeuten über und unter Wasser alles was sie überwältigen können. Kleine Insekten werden im Flug verspeist.
Schlüpfende Libelle

Das Larvenstadium ist der längste Lebensabschnitt der Libellen und dauert je nach Art wenige Wochen bis sechs Jahre. Zum Schlüpfen wandern die Larven am Land oder im Wasser an Pflanzen hoch.
Exuvie einer Libelle nach dem Schlüpfen

Nach dem Schlupf der Imago benötigen sie zum Teil mehrere Wochen bis zur Geschlechtsreife, bevor sie zur Paarung und zur Eiablage wieder ans Larvengewässer zurück kehren.

Blutrote Heidelibellen (Sympetrum sanguineum) bei der Paarung

Grosse Königslibelle (Anax imperator) - Eiablage unter Wasser

Die Eiablage erfolgt auf verschiedene Arten. Durch einstechen in Wasser- oder Uferpflanzen, Abstreifen auf der Wasseroberfläche oder auf Algen, sowie Abwerfen ins Wasser oder auf den Boden. Libellenweibchen produzieren bis zu mehrerren Tausend Eier die erst bei der Ablage befruchtet werden.



Die Lebensdauer der adulten Tiere beträgt bei den meisten Arten durchschnittlich sechs bis acht Wochen. Gewisse Arten leben auch nur etwa zwei Wochen lang. Die längste Lebensdauer als ausgewachsene Libellen haben in Mitteleuropa die Winterlibellen (Gattung Sympecma), welche als erwachsene Tiere überwintern und dadurch zehn bis elf Monate leben.


Kleinlibellen / Wasserjungfern (Zygoptera)
Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) m

Die Gebänderte Prachtlibelle lebt an grösseren Fliessgewässern mit offener Mitte und Röhricht an den Rändern.

Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) m

Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) w

Die Blauflügel-Prachtlibellen halten sich bevorzugt an kühlen, kleinen Fliessgewässern in den Niederungen auf.

Gemeine Becherjungfern (Enallagma cyathigerum) m + w

Gemeine Becherjungfer (Enallagma cyathigerum)
Zarte Rubinjungfer (Ceriagrion tenellum) m

Die Zarte Rubinjungfer, auch Späte Adonislibelle genannt, ist in der Schweiz sehr selten anzutreffen und die zum Teil isolierten Populationen werden als stark gefährdet eingestuft.

Westliche Weidenjungfer (Chalcolestes viridis) w

Gemeine Binsenjungfer (Lestes sponsa) m

Paarungsrad Hufeisen-Azurjungfern (Coenagrion puella) w + m


Grosslibellen (Anisoptera)
Südlicher Blaupfeil (Orthetrum brunneum) m

Westliche Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) m

Die Westliche Feuerlibelle, ursprünglich in den warmen Regionen Südeuropas, Afrikas und Vorderasiens beheimatet, wird erst seit den 1990er Jahren in der Schweiz regelmässig beobachtet. Die Männchen sind signalrot wobei die intensität der Rotfärbung mit der Umgebungstemperatur im Zusammenhang steht. Dieses schöne Männchen war die erste Sichtung am Gartenteich und erschien sporadisch über mehrere Tage im Sommer 2019.

Vierfleck (Libellula quadrimaculata) m

Vierfleck (Libellula quadrimaculata) w

Grosser Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) w

Grosser Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) m . . .

. . . mit erbeuteter Kleinlibelle

Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) w

Gemeine Heidelibelle (Sympetrum vulgatum) m

Kleiner Blaupfeil (Orthetrum coerulescens) m

Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae) (m) und ein gelberes . . .

. . . Exemplar auf 1000müM mit weissen Flügelmalen (Pterostigmen)

Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) m . . .

. . . im Flug und . . . 


. . . bei der Paarung


Grosse Heidelibelle (Sympetrum striolatum) m

Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) m

Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) m

Plattbauch (Libellula depressa) w


Plattbauch (Libellula depressa) m


Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) m

Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) w

Grosse Königslibelle (Anax imperator) m, etwas mitgenommen . . .

. . . und ein Exemplar mit ganzen Flügeln

Eiablage einer Grossen Königslibelle (Anax imperator)


Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) m

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