Dienstag, 11. Februar 2020

Frostige Zeiten

Raureif, Raueis & Co, . . . alternative Winterfotos wenn der Schnee fehlt

© Text & Bilder: Alexander Dietz

In der kalten Jahreszeit lässt der Frost besondere Gebilde entstehen. Kälte allein reicht dafür meist nicht aus. Gewisse Formen entstehen erst bei völliger Windstille, für andere wiederum kann der Sturm nicht stark genug sein. Allen gemeinsam ist, ohne Feuchtigkeit geschieht nichts. Mit etwas Glück, findet man im Wald Haareis, das ohne die Mitwirkung von Pilzen erst gar nicht entstehen würde, oder nadelförmiger Raureif an Pflanzen, der bei geringster Störung zu Boden fällt. In dieser Folge zeigen wir einen Querschnitt über die verschiedensten Arten von Eis, wie es uns nur die Natur bieten kann.

Alle Fotos zu diesem Thema und noch vieles mehr finden Sie auf unserer Bilddatenbank.

Eiszapfen

Eis

Es entsteht an Kristallisationskeimen bei Wassertemperaturen unter 0° Celsius in stehenden oder fliessenden Gewässern. Übrigens - ohne Kristallisationskeime konnte besonders reines und ruhiges Wasser unter Laborbedingungen bis -70° Celsius flüssig gehalten werden.

Winterabend am Lauerzersee - mit Rigi

Eisfläche im Gegenlicht

Insel Schwanau im Lauerzersee


Winterabend am Lauerzersee - mit Mythen

Eingebrochen im Sihlsee


Reif

Mit Reif bezeichnet man das in Bodennähe, durch Resublimation (gasförmig zu fest), entstehende Eis. Der Strahlungsreif entsteht durch die Abkühlung der Erdoberfläche, beim Advektionsreif hinterlässt fliessende Luft bei geeigneten Temperaturen Wasserdampf an den Oberflächen, der abkühlt und letztlich gefriert.

Reif im Herbst

Kirschbaumblätter mit Reif

Flugzeug in Samedan mit Reif

Moos mit Reif

Zapfen mit Reif


Eisblumen

sind eine spezielle Form von Raureif. Typischerweise entstehen diese an der Innen- oder Aussenseite von Glasscheiben oder anderen glatten Oberflächen und haben die Ähnlichkeit von Pflanzen. Blumenartiges Eis kann auch beim überfrieren von Pfützen oder kleinen Gewässern beobachtet werden.

Eisblumen

Eisblumen


Raureif

Unterkühlte Wassertröpfchen, als Nebel sichtbar, oder in der Luft enthaltener Wasserdampf setzt sich durch Resublimation (gasförmig zu fest) auf Pflanzen nieder und gefriert. Leichter Wind fördert diese Form von Raureifbildung, die sich nicht nur auf die Bodennähe beschränkt. Die nadelförmigen Eiskristalle wachsen verhältnismässig langsam gegen den Luftstrom.

Raureif auf dem Hirzel

Raureif an Hundsrose

Raureif

Raureif auf dem Hirzel

Raureif auf Stein

Waldrand und Bank mit Raureif

Moorgebiet Rothenthurm mit Raureif

Gottschalkenberg auf dem Ratenpass

Raureif

Buchnüsschen mit Raureif

Tanne mit Raureif

Birkenstamm mit Raureif


Raueis

bildet sich aus unterkühlten Nebelwassertröpfchen, die sich bei relativ hohen Windgeschwindigkeiten und Temperaturen zwischen -2° und -10° Celsius gegen die Windrichtung niederschlagen. Raueis besitzt keine kristalline Struktur und schliesst eine grosse Menge an Luftbläschen ein. Es besitzt eine gewisse Festigkeit, kann aber bei Erwärmung durch herunterfallen (Eisbruch) eine Gefahr darstellen. Bei länger andauernder Wetterlage kann die Gewichtszunahme an Bäumen und Stromleitungen zu Schäden führen.

Nebelwelle

Raueis an Buchenblätter

Raueis an Wegweiser auf der Rigi

Raueis an Stechpalme

Raueis an Swisscomsender auf der Rigi

Raueis sorg für schneeweissen Säntisgipfel


Kammeis

Kammeis entsteht in Form von gebündelten Eisnadeln, die aus vegetationslosen oder -armen, jedoch nicht durchgefrorenen Böden zu wachsen scheinen. Der Boden wird durch die Kammeisbildung aufgelockert und die Erosion gefördert. Die Entstehung ähnelt der des Haareises.

Kammeis


Haareis

oder auch Eiswolle, entsteht bei geeigneten Bedingungen auf feuchtem und morschem Totholz. Die Eisnadeln entstehen durch das im Holz enthaltene Wasser. Das Wachstum wird durch den Stoffwechsel von im Holz wachsenden, winteraktiven Pilzen ausgelöst, deren Gase das leicht unterkühlte Wasser an die Oberfläche verdrängt und es an der kälteren Umgebungsluft gefrieren lässt. Wichtige Voraussetzungen für das Phänomen sind Temperaturen knapp unter 0°C, eine hohe Luftfeuchtigkeit, die ein sublimieren verhindert, Windstille und, nicht zu vergessen, der richtige Pilz.

Haareis an Holzstück nach einer windstillen Frostnacht

Haareis an Holzstück nach einer windstillen Frostnacht

Haareis an Holzstück nach einer windstillen Frostnacht

Haareis an Holzstück nach einer windstillen Frostnacht

Haareis an Holzstück nach einer windstillen Frostnacht


Eisglocken / Klareis

Ein tagelanger, starker Ostwind (Bise) und Wellen liessen Ende Februar 2018 das Ufer des Zugersees, auf der Chiemen-Halbinsel zu einer bizarren Welt erstarren, wie es nur selten geschieht. Auf der Südseite wuchsen auf Totholz und Wurzeln Eisglocken heran, auf der Nordseite, wo Wind und Wellen für starke Gischt sorgten, vereiste das Ufer bis drei Meter über den Seespiegel (Bilder unter gefrierende Gischt).

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Eisglocken an Schilf

Eisglocken am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel


Gefrorene Gischt

sorgt in der Westschweiz für eindrückliche Bilder. Besonders die Stadt Genf und das Städtchen Versoix am Genfersee locken dann Schaulustige in die Kälte raus, um die vereisten Seepromenaden zu erkunden. Ohne Spikes an den Schuhen wird ein Vorwärtskommen zu einem Abenteuer, das manch einer mit blauen Flecken bezahlt. Wer sein Auto nicht rechtzeitig umgeparkt hat, wird seinen Urlaub wohl verlängern oder an die Arbeit ein alternatives Verkehrsmittel wählen müssen.

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt in Versoix am Genfersee

Gefrorene Gischt am Genfersee in der Stadt Genf

Gefrorene Gischt am Genfersee in der Stadt Genf

Gefrorene Gischt am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Gefrorene Gischt am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Gefrorene Gischt am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Gefrorene Gischt am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Gefrorene Gischt am Zugersee auf der Chiemenhalbinsel

Alexander Dietz - Fotograf BR - Obstgarten 4 - CH-6402 Merlischachen / Schweiz